VERLÄSSLICHE NICHT-REGIERUNGSORGANISATIONEN (NRO/NGO)2010-04-04 12:18:51
Nicht-Regierungsorganisationen mit Gütezertifikat als Baumeister der Zivilgesellschaft in der Ostseeregion
Zertifizierung von Nicht-Regierungsorganisationen (NROen/NGO’s)
Es ist ein weltweites Erfordernis, die Leistungsfähigkeit dieser für den Aufbau autonomer Strukturen der Zivilgesellschaft wesentlichen Instrumente zu verbessern.
Es ist sinnvoll, die Innovation mit dem Wiederaufbau bürgerlichen Lebens in den Ländern am östlichen Rand der Ostsee und mit dem Prozess der Verbesserung der Kohäsion und der Konvergenz zu verbinden, von dem der Erfolg der erweiterten EU und auch jener der EU-Nachbarschaftsbeziehungen vital abhängen.
Die Völker in der Ostseeregion praktizieren seit vielen Jahrhunderten Zusammenarbeit und kulturellen Austausch. Dies ermutigt, die herausfordernde Aufgabe des Zertifizierens gerade hier zu beginnen. Nachrichten über den Erfolg in dieser Region werden um die Welt laufen.
Das Kernelement des Zertifizierens ist ständige, erschöpfende und in die Tiefe gehende Überprüfung. In diesem Zusammenhang werden die Personen und Institutionen hinter und in jeder NRO/NGO (das „Wer“) überprüft und die Qualität ihrer Aktivitäten (das „Wie).
Die Teilnahme wird freiwillig sein, weil interne Angelegenheiten den Kontrolleuren gegenüber offengelegt werden.. Die Überprüfung wird in den Händen vertrauenswürdiger und unabhängiger Dienstleistungseinheiten der NRO/NGO-Vereinigungen liegen.
Entdeckte Ungereimtheiten werden unverzüglich beseitigt, wo erforderlich mit Hilfe der gleichen oder anderer Spezialisten der Vereinigungen.
Eine NRO/NGO, die (zur Zeit der Überprüfung oder nach Korrekturen) hohe Qualitäts- und Umsetzungsstandards erfüllt, kann ein Zertifikat beanspruchen, das (falls keine unvorhersehbaren oder außerordentlichen Ereignisse eintreten) bis zur nachfolgenden Überprüfung gilt.
Das vorgeschlagene System würde binnen kurzer Zeit die allzu oft von negativen Folgen begleitete libertinage in der NRO/NGO-Welt beseitigen. Gleichzeitig würden hoheitliche Interventionen, Einmischungen (z.B. russische Lizenzierung von NROen/NGO’s) und Sanktionen verhindert oder zumindest abgemildert.
Dies würde helfen, wirklich nachhaltige Strukturen von sozialem und gesellschaftlichem Interesse zu schaffen, wovon die neuen EU-Länder an der Ostsee, die Ostseeregion insgesamt, West und Ost, die EU und die EU-Regionen in der Nachbarschaft profitieren würden.
Ethisch orientierte Praxis und ständige Kontrolle der Leistungen der Handelnden müssen ineinander greifen. Synenergie ist lebenswichtig, um das Ziel zu erreichen, nämlich starke Volksgemeinschaften, die das europäische kulturelle Erbe respektieren und durch ihr Handeln bewahren.
Die angeregte Modalität verschafft weit umfassendere, tiefere und ins Einzelne gehende Einblicke, als sie landläufige Wirtschaftsprüfung je bewerkstelligen könnte.
Die Überprüfung umfasst persönliches Verhalten und berufliche Leistungen von Managern und Linien-Personal der NROen/NGO’s. Es wird besondere Erfordernisse für Einrichtungen geben, die mit „anderer Leute Geld“ arbeiten, sei es in der Form von Zuwendungen, Subsidien, Dienstleistungsentgelten oder anvertrautem Geld.
Das bestmögliche Vorbild für eine derartig profunde Kontrolle wäre die bei der sogenannten Verbandsprüfung (= gruppeneigene, aber dennoch unabhängige, tiefgehende Selbstkontrollen, durchgeführt von beauftragten Dienstleistungseinheiten, in Verbindung mit Problemlösungs-Hilfen) der kontinentaleuropäischen Genossenschaften und Gegenseitigkeitsvereine.
Die know-how-Träger sollten zu Rate gezogen werden. Der Verfasser ist bereit, ehrenamtlich Vereinbarungen über das Überlassen von Wissen und Erfahrungen zu unterstützen. Er hat gute Verbindungen zur Welt der Genossenschaften..
Das Zertifizieren von NROen/NGO’s wäre eine grundlegende Neuerung, nicht nur für die ehemals sowjetischen Ostseeregionen, sondern für ganz Europa und die Welt.
Bis heute arbeiten NROen’/NGO’s weitgehend unkontrolliert, was häufig zu Unregelmäßigkeiten, Fehlschlägen, Enttäuschungen und, vor allem, zu Mißtrauen, führt. Dies alles behindert Selbsthilfe-Initiativen, insbesondere in Osteuropa. Effiziente Selbstkontrolle würde die Situation radikal umgestalten.
Die vorgeschlagenen Kontrollen würden die Arbeitslast der öffentlichen Aufsichtsbehörden verringern, vor allem bei den kleinen Verwaltungen der baltischen Staaten (z.B. NRO/NGO-Vorhaben mit EU-Regionalfonds oder auch „credit unions“).
Zertifizierte NROen/NGO’s wären sichere Partner bei öffentlichen Förder-Programmen, weil die neue Modalität viel wirksame wäre als regierungsamtliche Aufsicht.
Die staatlichen Aufsichtsorgane könnten sich darauf beschränken, ein wachsames Auge auf die Zertifizierungs-Einrichtungen zu haben. Unmittelbares Kontrollieren von NROen/NGO’s, heute der Kern der Überwachungsarbeit, würde delegiert. Die Kontrollbeamten könnten sich auf die Erkenntnisse und die Berichte der Verbandsprüfer stützen.
Es ist angeraten, sich zunächst an Pionier-Einrichtungen zu wenden, die aus ihrer Art oder aufgrund ihrer Handlungsmaximen Verteidiger von Ethik und Moral sind, wie etwa die NROen/NGO’s der Kirchen selbst oder solche, die ihnen nahe stehen, weil diese bereit sein dürften, ohne Zögern oder Einwände mitzumachen.
Es kann vorweggenommen werden, dass die Konkurrenz unter den NROen/NGO’s schon bald zu einer allgemeinen Übung führen wird. Abseits Bleibende NRO’en/NGO’s würden den Zugang zu Zuwendungen, öffentlichen Geldern, staatlichen Programmen, zu Geldeinlagen und zu anderen Finanzierungsquellen verlieren.
Eine Bereinigung des NRO/NGO-Sektors würde stattfinden. Das Vertrauen der Behörden, der Unterstützer, der Nutzer und der Öffentlichkeit wäre sicherer Baugrund für autonome und selbsttragende bürgerliche Selbsthilfe und für eine gerechtere Gesellschaft.
Zunächst könnte es geschehen, dass die Transparenz Fürchtenden protestieren. Dies würde anzeigen, dass das Erreichen der angestrebten Ziele nahe ist. NROen/NGO’s die Ergebnisse von gesellschaftlichem Nutzen erzeugen, haben nichts zu befürchten. Im Gegenteil, sie würden das Zertifikat als Qualitätssiegel für ihre Einrichtung und deren Arbeit nutzen.
Dauerhafte institutionelle und personelle West-Ost-Bindungen werden wachsen, sobald die Völker am Ostrand der Ostsee glaubhaft zeigen, dass sie zu ihren vorbildlichen Vorkriegstugenden zurückgekehrt sind. (Anmerkung: Bis zum Zweiten Weltkrieg war die genossenschaftliche „Verbandsprüfung“ auch im Osten gängig.)
Diejenigen, welche die Innovation zuerst übernehmen, werden eine Führungsposition erobern. Insbesondere Länder mit geringem Gewicht im internationalen Entscheidungs-Gefüge könnten Nutzen ziehen. Die baltischen Länder sollten die einzigartige Chance wahrnehmen.
Die nachfolgenden Punkte und die sich daran anschließenden Projekt-Anregungen sollten unter Beachtung der oben erwähnten fundamentalen Aspekte gelesen werden.
Der Aufbau des Zertifizierungs-Systems erfordert ein Netzwerk vertrauensvoll und eng kooperierender lokaler, regionaler und insbesondere grenzüberschreitend arbeitender Einrichtungen.
Die Verbindungen zwischen den einzelnen Ländern am Ostufer der Ostsee und dem Westen nehmen ständig zu. Jedoch sind grenzüberschreitender Austausch und vor allem effektive Zusammenarbeit leider noch immer unterentwickelt, selbst zwischen den kleinen baltischen Ländern. Das darf schon im Eigeninteresse der Völker in dieser Region nicht so weitergehen. Ganz Europa, die EU und die Länder jenseits von ihr, erwartet eine stärkere „Kohäsion“ unter den baltischen Nachbarn.
Inter-Aktion zwischen modernen gewinnorientierten und zugleich gemeinnützigen Unternehmen und nicht-kommerziellen Einrichtungen sollte überall dort in die Wege geleitet werden, wo es möglich ist.
Auf Wunsch kann der Autor interessierte Leser über langfristig bewährte Lösungen dieser Art aus seiner eigenen beruflichen Erfahrung informieren. Er ist, unter anderem, bereit, das Werk einer sehr erfolgreichen südamerikanischen Stiftung „unter dem Dach der Kirche“ vorzustellen, die der Kopf sozialer und die Gesellschaft unterstützender Einheiten ist, zu der aber auch ein am Markt konkurrierendes finanzwirtschaftliches Konglomerat mit sozialer und gesellschaftsfördernder Bindung gehört. In den korrupten Zusammenhängen, in denen sie sich bewähren musste, ist sie ein einzigartiges Symbol für Anstand und den Respekt gegenüber ethischen Werten. Sie könnte ein für Osteuropa nützliches Vorbild sein.
Respekt gegenüber den ethischen Werten der europäischen Zivilisation und das Einhalten ihrer Grundprinzipien sind in den Regionen verloren gegangen, die über viele Jahrzehnte sowjetisch beherrscht waren.
Einrichtungen der bürgerlichen Gesellschaft waren eine Gefahr für die Mächtigen. Deshalb wurden sie ausgerottet. Als das Sowjetregime zu Ende war, wurde ein strukturelles Vakuum offenbar. Die Kontinuität war schon zu Beginn jener Periode unterbrochen worden. Die einstmals blühenden Selbsthilfe-Systeme des Bürgertums in den östlichen Anrainer-Regionen der Ostsee sind untergegangen.
Es gibt eine große Ausnahme: Die etablierten Kirchen. Sie litten, jedoch überlebten sie. Heute sind sie die einzigen, die in der Lage wären, den Graben zwischen Staat und Bürgern zu schließen. Alternativen gibt es nicht.
Ich meine, dass die Kirchen – im Osten, jedoch ebenfalls die im Westen – geradezu verpflichtet sind, eine Führungsrolle für die Rückkehr solcher Strukturen zu übernehmen, die im Einklang mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe der Ostsee-Region stehen.
Das Argument, sie seien nicht auf diese riesige Aufgabe vorbereitet, überzeugt nicht. Lastenteilung mit ihren natürlichen Partnern am Westufer der Ostsee würde sie befähigen. Die westlichen „Brüder“ sollten nicht länger zögern oder sich hinter Wohltätigkeiten verbergen. Physische Präsenz vor Ort ist nötig.
Die Herausforderung ist zwar groß, aber sie ist zugleich eine einzigartige Chance für die Kirchen im Osten. Sollten sie sich weigern, die Rolle als Förderer der Zivilgesellschaft zu akzeptieren, werden sie gegenstandslos werden
Als engagierte Partner im Wiederaufbau-Kampf werden sie soziale Kompetenz bekommen. Ihre Mission (Anmerkung: Der Terminus „Mission“ wird hier bewusst im doppelten Sinne des Begriffes verwandt) würde sich den brennenden Nöten unserer Zeit anpassen.
Vorhaben für eine partnerschaftliche, auf die gegenwärtigen Grundbedürfnisse abzielende Zusammenarbeit könnten sein:
Das die gesamte Ostseeregion umspannende Zertifizierungssystem selbst, das allen Selbsthilfeeinrichtungen ohne und mit Geschäftsbetrieb, ihren Zuwendungsgebern und Unterstützern, zukunftsorientierten Wirtschaftsprüfern in der östlichen Ostseeregion und den Aufsichtsbehörden angeboten werden sollte.
Es erscheint angeraten, die Grundlagen für das System unverzüglich zu schaffen. Der Verfasser dieses Textes ist zu ehrenamtlicher Arbeit bereit, aber er benötigt gleichgesinnte Mithelfer. Es wäre das Beste, sofort eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Die Aufforderung zum Mitmachen richtet sich zu aller erst an erfahrene westliche Senioren (Freiwillige mit sicherem Einkommen).
(Pensionierte) Verbandsprüfer aus dem Kreis der kirchennahen Genossenschaftsbanken wären höchst willkommen.
Wie oben schon angesprochen, die Innovation könnte die Akzeptanz der kleinen baltischen Länder stärken. Deshalb sollten örtliche Partner zunächst in diesem Raum gesucht werden. Es wäre vorteilhaft, von Anfang an Partner in mehreren dieser Länder zu haben. Ein Vorhaben dieser Art wäre für eine gemeinsame, grenzüberschreitende West-Ost-West Kooperation sehr geeignet.
Sobald die Selbstkontroll-Einheiten funktionsfähig sind, kann an praktische Dienstleistungen für Einzelpersonen an der Basis im Bereich der wirtschaftlichen Selbsthilfe (Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen) gedacht werden.
Fachmännische Unterstützung beim Gestalten finanzieller Angelegenheiten könnte eine Option sein. Um den Bedürfnissen der Finanzierung Suchenden zu entsprechen, ist es nicht unbedingt erforderlich –vielleicht sogar nicht einmal angeraten – eine Bank zu errichten. (Anmerkung: Das könnte unter Umständen später geschehen.) Begleiten bei Verhandlungen mit Anbietern am Finanzmarkt könnte die Beratung ergänzen.

