DORFENTWICKLUNGS-VEREINE ALS KRISTALLISATIONSPUNKTE FÜR DIE REGIONEN-ENTWICKLUNG2010-03-28 15:14:58
Lange wurde nach Ansatzpunkten für nachhaltige Regionalentwicklung (und andere Entwicklungs-Aktivitäten aus dem Arbeits-Spektrum der Ostsee-Stiftung) in den kleinen neuen EU-Ländern an der Ostsee gesucht.
Zunächst stiess die Ostsee-Stiftung nur auf Vorhaben, bei denen Auslandshilfe - privat, öffentlich gefördert in Kombination von privat und öffentlich - der Dreh- und Angelpunkt ist.
Solche Unternehmungen sind in aller Regel kurzlebig, weil früher oder später das Förderbudget erschäpft ist und während der Prozess einer autochthonen Entwicklung viel längere Zeiträume erfordert als ein Projekt-Zyklus.
Auch fehlen hoch-subventionierten Vorhaben meist die Kern-Elemente Eigenverantwortlichkeiit und Eigenanstrengungen zur Verbesseerung der menschlichen Gemeinschaft, auf die sie ausgerichtet sind.
Seit wenigen Jahren gibt es - zumindest in Estland - einige rühmliche Ausnahmen. Inwieweit sich Ähnliches auch in den zwei anderen kleinen baltischen Ländern entwickelt, muss noch erkundet werden.
Es gibt Dorf-Entwicklungs-Vereine auf der Grundlage erprobter Nachbartschaften (in Estland unter der Abkürzung MTÜ bekannt), die unabhängig von Fremd-Unterstützungen kleine, dennoch aber keineswegs unbedeutende Vorhaben auf die Beine gestellt haben, die nicht nur Einzelnen dienen.
Gute Beziehungen unterhält die Ostsee-Stiftung etwa mit den MTÜ in KIIDEVA (an der; auf Estnisch, Matsalu laht genanten Bucht, auf Deutsch Einwiek - s. etwa auf der Karte der Provinz Oesel im Download dieser Web-Site) und zu den mit Letzterer eng kooperierenden, benachbarten MTÜ in PUISE und HAESKA.
Diese MTÜ erhielten beachtlichen Eigenanstrengungen ergänzende Zuschüsse aus dem EU-Programm LEADER.
Die MTÜ in Kiideva und ihre Leiterin wurden wegen ihrer Verlässlichkeit von der Ostsee-Stiftung (s. das Schreiben an den Präsidenten der Republik Estland unter der Rubrik "Aktuelles rund um die Ostsee" und dessen Empfehlung, die Regierung mit der Sache zu befassen) als Andockstelle für Initiativen zur Bewältigung der Finanzkrise ausgewählt.
Die EU-Förderung steht allen Initiativen zur Förderung der ländlichen Entwicklung in der gesamten EU offen - vorausgesetzt (was nciht stark genug betont werden kann), sie ergänzen eigenes, greifbares Bemühen und treten nicht an dessen Stelle.
Erfolgreiche Regionalentwicklung hängt wesentlich von Finanz-Einrichtungen ab, die auf das Wohlergehen des Gemeinwesens und der in ihnen lebenden Bürger abzielen, wobei es nicht so sehr auf die Form (Genossenschafts- oder Kommunal- bzw. Regionalbanken oder zu ihnen gehörende finanzwirtschaftliche Institutionen anderen Typs usw.) sondern auf die Art ihres Handelns und die Herrschaft der Nutzniesser über sie ankommt.
Auf Gewinn-Maximierung abzielende Finanz-Institutionen können neben den gemeinwesen-orientierten durchaus ihren Platz haben. Sie sind aber für die Regionalentwicklung nicht essentiell. Das hat die kontinentaleuropäische Entwicklungsgeschichte gezeigt, an der auch die baltische Region bis zum Zweiten Weltkrieg teilhatte.
Allein in Estland gab es bis Ende der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts eine staatliche Sparkasse (unter dem Dach der Zentralbank), eine vor allem ländlich orientierte Hypothekenbank (hervorgegangen aus dem 1802 gegründeten adeligen Bodenkreditverein mit Solidarhaftung, 1932 an die veränderten Umstände angepasst), mehrere Stadtbanken und - vor allem - 173 Genossenschafsbanken, 45 Spar- und Darlehenskassen auf Gegenseitigkeit, sowie zwei genossenschaftliche Zentralbanken, zwei Versicherungsgenossenschaften und eine genossenschaftliche Zentral-Versicherungsgesellschaft. (Quelle: Estland - 20 Jahre Selbständigkeit. Herausgeber Albert Pullerits. Tallinn. 1938)
Es lohnt sich, diesen Institutionen nachzuspüren, sowie ihr Wirken als Vorbild für den Aufbau von Ähnlichem im Dienste der Volksgemeinschaft zu machen.
Entsprechendes, das den Vergleich mit dem westlicheren Europa nicht zu scheuen braucht, gab es ebenfalls in Lettland und Litauen.
Die gesamte baltische Region besitzt somit Anknüpfungspunkte für einen Erfolg versprechjenden Wiederaufbau eines gemeinwesne-orientierten Finanzwesens unter bürgerlicher Steuerung.

